Die Brennerbande, Teil 38


Sie konnten jeden einzelnen Schritt hören, obwohl diejenigen, die dort kamen, eindeutig versuchten, zu schleichen. Der Lichtstrahl eines ambarischen Strahlers traf auf die Wand am Ende des Gangs, dann ein zweiter. Sie hörten leises Tuscheln. Dann die Worte eines Mannes, der es gewöhnt war, zu befehlen:
"Kommen sie mit erhobenen Händen heraus, oder wir werfen einen Gaszünder!"
Tiscio war sich nicht sicher, ob er erleichtert sein oder seiner ausgeprägten Angst vor Bertis nachgeben sollte, bis Kargerheim antwortete:
"Miesken, wen erwarten sie, damit einzuschüchtern?"
"Kargerheim? Sind sie das?"
"Was glauben sie? Wir kommen jetzt raus und ich hoffe, keiner ihrer Jungs schießt auf uns."

Und das war das Ende ihres Abenteuers im Ingengebiet. Oder fast zumindest. Zwei Bertis brachten sie nach Hause, wo keiner von ihnen verprügelt wurde, weil die beiden Männer in Uniform ein Loblied auf ihren Mut sangen. Walde wartete bereits vor Alnas Tür und nahm sie in den folgenden Tagen mit zu Vilet, wo sie von Tag zu Tag wieder fröhlicher wurde, obwohl die Feldstraßler lange nichts von den Besuchen im Tempelbezirk erfuhren und wohl auch versucht hätten, sie zu verbieten. Schließlich konnte man kleine Kinder nicht alleine in die Altstadt lassen. Man konnte ja nicht ahnen, mit wem sie sich dort einließen.
Von den anderen Kindern hörten sie nichts mehr, wohnten sie doch im Ingen.

Zwei Wochen später erwartete Kargerheim die zurückkehrenden Arbeiter in der Feldstraße, diesmal wieder in seiner vornehmeren Kleidung und mit einem Gehstock bewaffnet. Ohne eine Begrüßung begann er seinen Bericht.
"Herr Unterschnitt hat mit eurer Hilfe den Fall vollständig auflösen können. Der Verrückte, der eure Alna und die anderen Entführt hatte, ist ein Halbelf, der versuchte, mit den Kindern Elfen herzustellen. Ich kann es nicht anders ausdrücken. Eine widerliche Sache. Warum er dies tun wollte, wird wohl niemand wirklich verstehen können. Für seine Verbrechen wird er nächsten Sonntag hingerichtet."
Die Jungs standen etwas überrascht vor dem Ex-Berti und konnten sich nicht so recht einen Reim auf das gehörte machen. Was sie nicht wissen konnten und auch für viele Jahre nicht erfuhren, war, dass Kargerheims Bericht über den Halbelfen ein wenig Kurzgegriffen hatte, denn Elfen kannten sie wohl. Sie waren arrogant, unzüchtig und unverbesserliche Teufelsanbeter. Der Halbelf gehörte jedoch zu einer anderen Rasse, die mit den ihnen vertrauten Elfen nichts gemein hatte und durch die Kriege der letzten dreihundert Jahre bis auf ein paar einsame Individuen ausgerottet worden war.
Es war Malandro, der ihr Schweigen beendete:
"Wie haben sie ihn gefangen."
"Meine ehemaligen Kollegen mußten zwei Tage in dem Keller warten, konnten ihn aber dort am Ende einfach festnehmen."
Als wenn diese Information erst bestätigte, dass der Verbrecher dingfest gemacht worden war, atmeten die Feldstraßler aus. Kargerheim kramte unterdessen in der Innentasche seiner Jacke.
"Wie Herr Unterschnitt versprochen hat, sollt ihr einen Anteil an der Belohnung erhalten." Damit zog er fünf Umschläge heraus und reichte sie jedem einzeln. Hastig rissen sie das Papier auf und betrachten ungläubig die neuen 10 Mark Noten, mehr als ein Monatslohn.
"Und es würde Herrn Unterschnitt freuen, wenn ihr für weitere Unternehmungen zur Verfügung stehen würdet."

Die Kinder aus der Feldstrasse, 02